Die Luft im Zimmer ist noch warm vom Tag, dieser dichten, klebrigen Sommerwärme, die auch nach Sonnenuntergang nicht ganz weichen will. Das Fenster steht einen Spalt offen, irgendwo draußen zirpen Grillen, und ab und zu weht ein laues Lüftchen herein, das die Gardine sacht bewegt.
Sie sitzt auf ihrem Bett, die Beine angezogen, noch immer in den Sachen, die sie den ganzen Tag getragen hat – das dünne Top klebt ein wenig an der Haut, die kurze Hose ist von der Hitze und dem vielen Herumlaufen leicht zerknittert. Eigentlich müsste sie längst schlafen, sich umziehen, die Zähne putzen, all das. Aber jetzt, wo es im Haus endlich still geworden ist, will sie nicht einfach ins Bett fallen, ohne diesen Tag irgendwo abzulegen.
Die Eltern schlafen schon, oder tun zumindest so. Mit ihnen über das zu reden, was heute war, was sie wirklich denkt und fühlt – das kommt ihr gar nicht erst in den Sinn. Sie sind nicht die Sorte Eltern, bei denen man mit so etwas ankommt. Und ihren Freundinnen würde sie es auch nicht erzählen, jedenfalls nicht so, nicht ehrlich. Sie war noch nie gut darin, Dinge einfach auszusprechen. Worte ordnen sich ihr leichter auf Papier als im Gespräch, leiser, ungestörter, ganz für sich.
Sie zieht die Nachttischschublade auf, holt das Tagebuch heraus, dieses kleine, etwas abgegriffene Heft, das so viel von ihr kennt, was sonst niemand weiß. Es ist der einzige Ort, an dem sie nicht aufpassen muss, nicht abwägen, wie etwas klingt. Manchmal denkt sie, sie hinkt allen anderen hinterher – mit Beziehungen, mit Ausgehen, mit so simplen Dingen wie einem Führerschein. Aber heute Abend will sie nicht darüber grübeln, was noch fehlt. Heute Abend gibt es etwas anderes, das raus muss.
Sie schlägt das Heft auf, nimmt den Stift, und beginnt zu schreiben.
Liebes Tagebuch,
Es wurde unbequem auf den harten Fließen.
Ich liege einen Moment reglos da, die Wange fast auf den kalten Fliesen, und die Welt braucht eine Sekunde, um sich wieder zusammenzusetzen. Über mir verschwimmen die Konturen einer Lampe, eines Türrahmens, ehe sie scharf werden. Ein dumpfes Pochen meldet sich in meinem Handgelenk, mit dem ich den Sturz abgefangen habe.
Ich blinzle. Die Geräusche kommen zuerst zurück – ein Wasserhahn, der tropft, irgendwo das ferne Rauschen einer Straße. Dann der Geruch: kühler Stein, ein Hauch Reinigungsmittel. Meine Finger spreizen sich auf dem Boden, tasten die Fugen zwischen den Fliesen ab, als müsste ich mich selbst davon überzeugen, dass der Boden real ist, fest, dass ich nicht mehr falle.
Langsam drehe ich den Kopf. Die Zimmerdecke kippt kurz, pendelt sich dann ein. Ich atme aus, ein zittriger Atemzug, der sich in der Stille des Raums fast zu laut anhört. Erst jetzt registriere ich den Schmerz richtig – ein Ziehen in der Hüfte, ein Brennen am Ellbogen. Ich bleibe noch liegen, einen Atemzug länger, sammle mich, bevor ich es wage, mich aufzustützen.
Schnell schloss ich die Tür hinter uns. Dann trat ich einen Schritt auf ihn zu. Jetzt wollte ich wissen wie sich sein Ding anfühlt. Ich kniete mich zwischen Dominiks Beine und betrachtete seinen Ständer. Er stand steil in die Luft. Ich umfasste ihn mit der ganzen Hand. Es fühlte sich komisch an.
Langsam schob ich die Haut nach oben und wieder nach unten. Dabei blickte ich Dominik an. Er hatte die Augen geschlossen und sah vollkommen entspannt aus. Ich bewegte meine Hände auf seinem Penis immer schneller. Dominik stöhnte jetzt lauter. Er gab sich völlig meiner Lust hin. Dann stieß er meine Hand plötzlich weg.
„Was ist los?“, fragte ich völlig überrascht.
„Ich will noch nicht kommen…“, erklärte Dominik. Dann schaute er beschämt zu Boden und machte eine kurze Pause. „Ich will in dir kommen!“, sagte er leise. Ich war geschockt. Was wollte er damit sagen? In mir? Wollte er etwa mit mir schlafen? Aber er wusste doch, dass ich noch nie Sex hatte. Ich war noch Jungfrau. Aber Dominik wollte es ändern.
Er wollte mich zur Frau machen. Mich entjungfern.
Zärtlich fasste Dominik mich an der Hüfte und zog mich hoch, dann schupste er mich aufs Bett. Dann drückte er meine Schenkel auseinander und setzte sich dazwischen. Er schaute mir auf die nasse Fotze. Inzwischen war ich so geil, dass meine Feuchtigkeit an mir hinunterlief. Sie lief über meinen Hintern und tropfte auf das Bettlaken. Ich schloss die Augen und genoss die Aufmerksamkeit meines Bruders. Wieder beugte sich Dominik nach unten um an meiner Pussy zu riechen. Er nahm den verführerischen Geruch auf und griff nach seinem Penis. Auf der Eichelspitze hatte sich schon der erste Lusttropfen gebildet. Er setzte seine Spitze an meiner Scheide an. Ich muss zugeben, dass ich in diesem Moment große Angst davor hatte, dass es weh tun könnte. Doch es beruhigte mich, dass es Dominik sein würde, der mich gleich zur Frau machen würde. Ich merkte wie er mit seiner dicken Eichel versuchte sich in mich hineinzuschieben.
Deine Anita
Sie klappt das Tagebuch zu und legt den Stift daneben auf die Bettdecke. Draußen ist es noch nicht ganz dunkel, dieses lange blaue Sommerlicht, das sich nicht entscheiden kann, ob es schon Nacht ist. Das Fenster steht einen Spalt offen, und durch den Spalt kommt diese warme Abendluft rein, die nach nichts Bestimmtem riecht, nur nach Sommer, vielleicht ein bisschen nach gemähtem Rasen von irgendwo aus der Nachbarschaft.
Sie sitzt noch genau so da, wie sie den ganzen Tag über war. Das T-Shirt hat sich an manchen Stellen ans Bettlaken geklebt, die Jeans fühlt sich nach Stunden draußen schwer und steif an den Beinen an, fast wie eine zweite Haut, die sie eigentlich längst hätte abstreifen wollen. Die Schuhe stehen achtlos neben dem Bett, einer liegt umgekippt. Sie hat es einfach nicht geschafft, sich noch umzuziehen, war zu müde, zu sehr in Gedanken, als sie sich aufs Bett gesetzt und das Tagebuch vom Nachttisch gezogen hat.
Ihre Haare kleben ein bisschen an der Stirn, der Tag hat Spuren hinterlassen, ein bisschen Sonne auf der Nase, dieses spezielle Müdesein, das nicht nur vom Körper kommt, sondern auch davon, dass im Kopf viel zu viel los war. Sie lässt sich zurücksinken, das Kissen nimmt ihre Wärme auf, und für einen Moment starrt sie einfach nur an die Decke, wo der letzte Rest Tageslicht ein schwaches Muster wirft.
Es ist dieses Gefühl danach. Als hätte sie etwas abgelegt, das sie den ganzen Tag mit sich herumgetragen hat. Das Tagebuch liegt jetzt geschlossen da, ein bisschen abgegriffen an den Ecken, und sie legt die Hand kurz flach darauf, fast wie eine Geste des Dankes, bevor sie es zurück auf den Nachttisch schiebt. Drinnen ist es jetzt sicher. Niemand wird es lesen, niemand wird fragen, niemand wird die Stirn runzeln.
Von draußen hört man gedämpft Grillen, vielleicht ein Auto in der Ferne, das spätsommerliche Hintergrundrauschen eines Abends, an dem viele Leute noch wach sind, draußen sitzen, lachen. Sie ist nicht draußen. Aber gerade in diesem Moment macht ihr das nichts aus. Es gibt etwas Beruhigendes daran, allein in diesem Zimmer zu liegen, in den Klamotten des Tages, mit dem Tagebuch in Reichweite, mit dem Wissen, dass es noch genug Sommer gibt, der kommt.
Sie schließt die Augen, noch nicht zum Schlafen, nur kurz, um den Tag noch einmal an sich vorbeiziehen zu lassen, bevor er ganz vorbei ist.
Irgendwann zwischen dem Starren an die Decke und dem nächsten bewussten Gedanken muss sie eingeschlafen sein, ohne es richtig zu merken. Kein bewusstes Hinlegen, kein Licht ausmachen, einfach ein langsames Wegsacken, das T-Shirt noch an, die Bettdecke nur halb über sich gezogen.
Der Schlaf ist nicht ruhig. Es ist eher ein Hin und Her zwischen Bildern, die sich nicht greifen lassen, ein Gefühl von Bewegung, von Stimmen, von etwas, das sich anfühlt, als würde es noch einmal passieren, nur verschoben, ein bisschen verzerrt, wie durch Wasser gesehen. Ihr Herz schlägt in manchen Momenten schneller, als würde der Körper auf etwas reagieren, das der Kopf gerade durchlebt, obwohl draußen alles still ist.
Einmal schreckt sie hoch, mitten in der Nacht, mit diesem kurzen, desorientierten Moment, in dem sie nicht weiß, wo oben und unten ist, nicht einmal, welcher Tag eigentlich ist. Das Zimmer ist dunkel, vertraut und doch für einen Wimpernschlag fremd, als müsste sich ihr Blick erst neu durch die Konturen tasten, den Schrank, die Tür, den Stuhl mit den Kleidungsstücken von gestern. Der Wecker wirft sein schwaches grünes Licht an die Wand, ein einziger ruhiger Fixpunkt in der Dunkelheit, an dem sie sich langsam wieder verankert.
Ihr Atem geht schneller, als er sollte, viel zu schnell für jemanden, der einfach nur geschlafen hat. Das Herz schlägt gegen die Rippen, als wäre der Körper noch mittendrin in etwas, von dem der Kopf längst nicht mehr weiß, was es war. Ihre Hände liegen verkrampft in der Bettdecke, die Finger leicht zusammengezogen, als hätten sie sich irgendwo festgehalten.
Für ein paar Sekunden ist da nur dieses diffuse Gefühl, dieses dichte, drängende Empfinden, dass gerade eben etwas Wichtiges passiert ist. Nicht irgendetwas, sondern etwas, das zählt, das sich anfühlt wie ein Wendepunkt, eine Wahrheit, die sie eben noch berührt hat. Es war real, ganz nah, fast greifbar, so greifbar, dass sie für einen Moment fast die Hand danach ausstrecken will, in die Dunkelheit hinein, als könnte sie es festhalten, bevor es entgleitet.
Erst nach diesen Sekunden, die sich viel länger anfühlen, als sie wahrscheinlich sind, setzt der Verstand langsam wieder ein, tastend, fast widerwillig, und sie braucht einen Moment, um zu begreifen, dass sie geträumt hat. Oder zumindest denkt sie das. Sie liegt da, starrt ins Dunkel, und versucht, die Gewissheit zu finden, die sie eigentlich erwartet hätte, dieses klare Aufatmen, das sagt: alles gut, nur ein Traum. Aber es kommt nicht. Die Grenze fühlt sich nicht klar an, verwischt irgendwo zwischen dem, was sie heute erlebt hat, und dem, was ihr Kopf in der Nacht daraus gemacht hat, und so bleibt sie liegen, mit diesem schwebenden, ungewissen Gefühl, das sich weigert, sich in eine der beiden Schubladen einsortieren zu lassen.
Sie dreht sich auf die Seite, zieht die Decke höher, versucht, wieder wegzudriften, aber die Gedanken kreisen weiter, leiser jetzt, aber noch da. Sie schläft wieder ein, und der Traum nimmt da weiter, wo er aufgehört hat, oder beginnt neu, das lässt sich im Halbschlaf nicht genau sagen.
Noch einmal wacht sie auf, später, vielleicht ist es schon fast Morgen, das Licht am Fenster hat sich leicht verändert. Sie liegt einen Moment still da, das Herz noch ein bisschen zu schnell, und versucht, die Bilder zu sortieren, herauszufinden, was davon heute wirklich passiert ist und was ihr schlafender Kopf dazugedichtet hat. Es gelingt ihr nicht ganz. Alles fühlt sich vermischt an, echt und unwirklich gleichzeitig, und mit diesem unsicheren Gefühl im Bauch lässt sie sich noch einmal zurücksinken, in der Hoffnung, dass der Morgen mehr Klarheit bringt als die Nacht.